Skolon EduTalks: Strategische Führung in der Bildung & wie Schulleiter Nils Fischer den „Vernetzten Bildungsraum“ gestaltet


Die digitale Transformation fordert von Schulen mehr als nur die Anschaffung von Endgeräten. Sie verlangt eine strategische Neuausrichtung. Nils Fischer, Schulleiter in Niedersachsen, vereint in seiner Rolle die tiefe pädagogische Expertise mit einem MBA in Bildungs- und Wissenschaftsmanagement. Im Gespräch teilt er, wie er diese Doppelkompetenz nutzt, um seine Schule konsequent in Richtung Zukunft zu führen – weg vom „abgeschlossenen Lernort“ hin zum „vernetzten Bildungsraum“.
Von der pädagogischen Prägung zur Organisationsentwicklung
Der Lehrerberuf war für Nils Fischer eine tiefe familiäre Prägung:
“Mein Urgroßvater war Lehrer, mein Großvater Schulleiter, und in der erweiterten Familie gab es ein Dutzend Pädagogen. Manchmal hatten Weihnachtsfeiern etwas von Gesamtkonferenzen. Die Idee, Verantwortung für Menschen zu übernehmen und Entwicklungsprozesse zu gestalten, hat mich früh geprägt.“
Seine Sichtweise auf Schule wurde jedoch maßgeblich erweitert: Durch seine Tätigkeit im Landesamt für Schule und Bildung erhielt er Einblicke in die „strukturellen Zwänge und Gestaltungsmöglichkeiten“ des Systems. Diese Verbindung aus pädagogischer Praxis und dem Verständnis für Organisationsentwicklung – gestärkt durch seinen MBA – ist heute die Basis seiner Führungsarbeit.
Sein Schulbetrieb vergleicht er mit über 100 Lehrkräften und 1.200 Schülerinnen und Schülern organisatorisch mit einem mittelständischen Unternehmen. Die Herausforderung ist dabei stets, Stabilität und Entwicklung miteinander zu verbinden.
Die Vision 2035: Aufbau eines neuen Systems
Fischers oberstes Ziel für seine Schule ist die Entwicklung einer strategischen Neuausrichtung bis 2035. Diese Vision soll unabhängig von Einzelpersonen eine klare Richtung für die Zukunft vorgeben.
Die Kernidee: Schule muss sich grundlegend wandeln, um Kinder und Jugendliche auf die komplexe Welt vorzubereiten. Das bedeutet:
- Schule wird ein vernetzter Bildungsraum.
- Der Fokus liegt auf Persönlichkeitsentwicklung und Orientierung in komplexen Systemen, nicht nur auf Wissensvermittlung.
- Die Lernangebote müssen orchestriert und auf individuelle Wege ausgerichtet sein.
Um zukunftsfähig zu bleiben, sucht Fischer aktiv Impulse aus der Wirtschaft und Verwaltung, etwa durch Kongresse wie die LearnTec oder das Bitkom-Netzwerk.
Technologischer Rahmen: Evolution statt Revolution
Die Schule von Nils Fischer setzt seit Jahren auf eine konsequente Digitalisierung. Alle Lehrkräfte und Schülerinnen/Schüler ab Jahrgang 7 arbeiten mit iPads.
Technologie dient dabei als organisatorisches Rückgrat:
- Im Unterricht: Nutzung digitaler Lernplattformen sowie KI-basierter Anwendungen.
- Blended Learning (integriertes Lernkonzept, das Präsenzlehre mit digitalen E-Learning-Methoden kombiniert): Die Oberstufe nutzt digitale Archive und arbeitet asynchron und dezentral, was den langen Schultag entzerrt und die Selbstorganisation fördert.
- In der Verwaltung: Durch digitale Schülerakten und automatisierte Prozesse werden Effizienzgewinne, Transparenz und Fehlerreduktion erzielt.
Die Akzeptanz von EdTech wird als Führungsaufgabe verstanden. Die Einführung neuer Technologien erfolgt dabei evolutionär: Erst nach Bedarfsanalyse, Marktrecherche und einer bewährten Testphase wird ein Tool breit eingeführt – wenn es im Kollegium getragen wird.
Die Zukunft der Bildung: Paradigmenwechsel im Netzwerk
Nils Fischer betrachtet die Zukunft der Bildung anhand von drei Szenarien:
- „business as usual“: Strukturen bleiben, aber Probleme (Ressourcenknappheit, Ungleichheit, Bürokratie) wachsen. Das System verliert real an Leistungsfähigkeit.
- „the future is digital“: Vieles wird technisch optimiert (Stundenpläne, Kommunikation), aber die alten Strukturen bleiben erhalten. Die Digitalisierung optimiert, transformiert aber nicht.
- „paradigm shift in networked education“: Das erstrebenswerte Szenario. Schule wird hier Teil eines Bildungsnetzwerks und agiert in offenen, adaptiven Systemen.
- Rollenwechsel: Lehrkräfte arbeiten als Mentoren, Coaches und Lernbegleiter, unterstützt durch KI.
- Lernkultur: Schüler*innen gestalten Lernwege aktiv mit, übernehmen Verantwortung und arbeiten in Netzwerken.
- Technologie: EdTech dient als Infrastruktur für Qualitätssicherung und transparente Kompetenznachweise.
Im dritten Szenario wird Schule zu einem Ort, „an den man gerne geht“.
Die Entwicklung von EdTech zur Infrastruktur hängt für Fischer maßgeblich davon ab, ob Deutschland mutig genug ist, die notwendigen Strukturveränderungen vorzunehmen und eine nachhaltige Finanzierung für EdTech zu schaffen.
Klarheit und Fokus: Der Rat an Pädagogen
Auf die Frage nach dem wichtigsten Ratschlag für andere Pädagogen, die das Beste aus Technologie herausholen wollen, antwortet Nils Fischer: „Sich nicht zu verzetteln.“
Zwei gut beherrschte Anwendungen sind wertvoller als zehn, die nur oberflächlich genutzt werden. Klarheit und Fokus sind entscheidend für eine gute pädagogische Arbeit.
Seine Begeisterung gilt der Verbindung aus Individualisierung und neuen Lernformaten durch EdTech. Dadurch kann das Lernen wieder als die „tägliche Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken“ erlebt werden.
Vielen Dank an Nils Fischer für dieses offene und wertvolle Gespräch! Die Skolon EduTalks sind eine Initiative von Skolon, um Wissen und Visionen in der digitalen Bildung zu teilen.
Das ist Skolon: Wir vereinen die besten digitalen Schulwerkzeuge und bringen sie in Ihr Klassenzimmer.
Skolon ist eine unabhängige Plattform für digitale Lernwerkzeuge und Unterrichtsressourcen, entwickelt für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler. Mit Skolon wird der Zugriff auf digitale Tools einfach, sicher und effizient: weniger Administration, mehr Zeit fürs Lernen. Die angebotenen Werkzeuge stammen von kleinen und großen Anbietern, die eines gemeinsam haben – sie entwickeln digitale Lösungen, die den Schulalltag wirklich besser machen.
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Die digitale Transformation fordert von Schulen mehr als nur die Anschaffung von Endgeräten. Sie verlangt eine strategische Neuausrichtung. Nils Fischer, Schulleiter in Niedersachsen, vereint in seiner Rolle die tiefe pädagogische Expertise mit einem MBA in Bildungs- und Wissenschaftsmanagement. Im Gespräch teilt er, wie er diese Doppelkompetenz nutzt, um seine Schule konsequent in Richtung Zukunft zu führen – weg vom „abgeschlossenen Lernort“ hin zum „vernetzten Bildungsraum“.
Von der pädagogischen Prägung zur Organisationsentwicklung
Der Lehrerberuf war für Nils Fischer eine tiefe familiäre Prägung:
“Mein Urgroßvater war Lehrer, mein Großvater Schulleiter, und in der erweiterten Familie gab es ein Dutzend Pädagogen. Manchmal hatten Weihnachtsfeiern etwas von Gesamtkonferenzen. Die Idee, Verantwortung für Menschen zu übernehmen und Entwicklungsprozesse zu gestalten, hat mich früh geprägt.“
Seine Sichtweise auf Schule wurde jedoch maßgeblich erweitert: Durch seine Tätigkeit im Landesamt für Schule und Bildung erhielt er Einblicke in die „strukturellen Zwänge und Gestaltungsmöglichkeiten“ des Systems. Diese Verbindung aus pädagogischer Praxis und dem Verständnis für Organisationsentwicklung – gestärkt durch seinen MBA – ist heute die Basis seiner Führungsarbeit.
Sein Schulbetrieb vergleicht er mit über 100 Lehrkräften und 1.200 Schülerinnen und Schülern organisatorisch mit einem mittelständischen Unternehmen. Die Herausforderung ist dabei stets, Stabilität und Entwicklung miteinander zu verbinden.
Die Vision 2035: Aufbau eines neuen Systems
Fischers oberstes Ziel für seine Schule ist die Entwicklung einer strategischen Neuausrichtung bis 2035. Diese Vision soll unabhängig von Einzelpersonen eine klare Richtung für die Zukunft vorgeben.
Die Kernidee: Schule muss sich grundlegend wandeln, um Kinder und Jugendliche auf die komplexe Welt vorzubereiten. Das bedeutet:
- Schule wird ein vernetzter Bildungsraum.
- Der Fokus liegt auf Persönlichkeitsentwicklung und Orientierung in komplexen Systemen, nicht nur auf Wissensvermittlung.
- Die Lernangebote müssen orchestriert und auf individuelle Wege ausgerichtet sein.
Um zukunftsfähig zu bleiben, sucht Fischer aktiv Impulse aus der Wirtschaft und Verwaltung, etwa durch Kongresse wie die LearnTec oder das Bitkom-Netzwerk.
Technologischer Rahmen: Evolution statt Revolution
Die Schule von Nils Fischer setzt seit Jahren auf eine konsequente Digitalisierung. Alle Lehrkräfte und Schülerinnen/Schüler ab Jahrgang 7 arbeiten mit iPads.
Technologie dient dabei als organisatorisches Rückgrat:
- Im Unterricht: Nutzung digitaler Lernplattformen sowie KI-basierter Anwendungen.
- Blended Learning (integriertes Lernkonzept, das Präsenzlehre mit digitalen E-Learning-Methoden kombiniert): Die Oberstufe nutzt digitale Archive und arbeitet asynchron und dezentral, was den langen Schultag entzerrt und die Selbstorganisation fördert.
- In der Verwaltung: Durch digitale Schülerakten und automatisierte Prozesse werden Effizienzgewinne, Transparenz und Fehlerreduktion erzielt.
Die Akzeptanz von EdTech wird als Führungsaufgabe verstanden. Die Einführung neuer Technologien erfolgt dabei evolutionär: Erst nach Bedarfsanalyse, Marktrecherche und einer bewährten Testphase wird ein Tool breit eingeführt – wenn es im Kollegium getragen wird.
Die Zukunft der Bildung: Paradigmenwechsel im Netzwerk
Nils Fischer betrachtet die Zukunft der Bildung anhand von drei Szenarien:
- „business as usual“: Strukturen bleiben, aber Probleme (Ressourcenknappheit, Ungleichheit, Bürokratie) wachsen. Das System verliert real an Leistungsfähigkeit.
- „the future is digital“: Vieles wird technisch optimiert (Stundenpläne, Kommunikation), aber die alten Strukturen bleiben erhalten. Die Digitalisierung optimiert, transformiert aber nicht.
- „paradigm shift in networked education“: Das erstrebenswerte Szenario. Schule wird hier Teil eines Bildungsnetzwerks und agiert in offenen, adaptiven Systemen.
- Rollenwechsel: Lehrkräfte arbeiten als Mentoren, Coaches und Lernbegleiter, unterstützt durch KI.
- Lernkultur: Schüler*innen gestalten Lernwege aktiv mit, übernehmen Verantwortung und arbeiten in Netzwerken.
- Technologie: EdTech dient als Infrastruktur für Qualitätssicherung und transparente Kompetenznachweise.
Im dritten Szenario wird Schule zu einem Ort, „an den man gerne geht“.
Die Entwicklung von EdTech zur Infrastruktur hängt für Fischer maßgeblich davon ab, ob Deutschland mutig genug ist, die notwendigen Strukturveränderungen vorzunehmen und eine nachhaltige Finanzierung für EdTech zu schaffen.
Klarheit und Fokus: Der Rat an Pädagogen
Auf die Frage nach dem wichtigsten Ratschlag für andere Pädagogen, die das Beste aus Technologie herausholen wollen, antwortet Nils Fischer: „Sich nicht zu verzetteln.“
Zwei gut beherrschte Anwendungen sind wertvoller als zehn, die nur oberflächlich genutzt werden. Klarheit und Fokus sind entscheidend für eine gute pädagogische Arbeit.
Seine Begeisterung gilt der Verbindung aus Individualisierung und neuen Lernformaten durch EdTech. Dadurch kann das Lernen wieder als die „tägliche Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken“ erlebt werden.
Vielen Dank an Nils Fischer für dieses offene und wertvolle Gespräch! Die Skolon EduTalks sind eine Initiative von Skolon, um Wissen und Visionen in der digitalen Bildung zu teilen.
Das ist Skolon: Wir vereinen die besten digitalen Schulwerkzeuge und bringen sie in Ihr Klassenzimmer.
Skolon ist eine unabhängige Plattform für digitale Lernwerkzeuge und Unterrichtsressourcen, entwickelt für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler. Mit Skolon wird der Zugriff auf digitale Tools einfach, sicher und effizient: weniger Administration, mehr Zeit fürs Lernen. Die angebotenen Werkzeuge stammen von kleinen und großen Anbietern, die eines gemeinsam haben – sie entwickeln digitale Lösungen, die den Schulalltag wirklich besser machen.
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