Warum Pädagogik, verlässliche Rahmenbedingungen und Mut zur Lücke die Digitalisierung an Schulen wirklich voranbringen

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Die Digitalisierung an deutschen Schulen fühlt sich oft wie eine Reise im Schneckentempo an. Aber wo genau hakt es eigentlich? Liegt es an der Technik, der Bürokratie oder an Berührungsängsten? Wir haben uns für unsere Reihe Skolon EduTalks mit der Bildungsexpertin Christine Bach getroffen. Sie ist seit Jahren Teil des Bildungssektors. Von der Hochschuldidaktik über den Aufbau digitaler Innovationszentren in Mecklenburg-Vorpommern bis hin zur freien Wirtschaft bringt sie einen tiefen Einblick in die Praxis mit.

Im Interview sprachen wir mit ihr über Berührungsängste vor der digitalen Tafel, den Hype um Künstliche Intelligenz, ungleiche Arbeitsplatzbedingungen in Schulen und darüber, wie echte Entlastung für Lehrkräfte aussehen kann.

Vom Freiraum zur Innovation

Der Impuls für Christine Bachs Weg in die digitale Bildungslandschaft kam direkt aus der Landespolitik. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern wünschte sich digitale Innovationszentren, um Digitalisierung für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen erlebbar zu machen. Als Projektverantwortliche erkannte Christine Bach schnell, dass es vor allem im Schulbereich enormen Bedarf gab.

Daraus entstand 2019 ihr Konzept für Erprobungsräume für Bildungstechnologien. Während der Pandemie warb sie Fördermittel ein und stattete, unterstützt von verschiedenen EdTech-Herstellern, Räumlichkeiten mit interaktiven Tafelsystemen, Robotern, 3D-Druckern, Lasercuttern und AR-Software aus. Das Ziel war ein geschützter Raum, in dem Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulträger neue Werkzeuge frei von Bewertung und Prüfungsdruck ausprobieren konnten.

Berührungsängste abbauen

Die Teilnahme an den Angeboten war absolut freiwillig. Dementsprechend begegneten einige Lehrkräfte, insbesondere der Generation 50+, den Geräten anfangs vorsichtig und zaghaft. Viele hatten aus früheren Zeiten negative Erfahrungen mit Systemabstürzen oder teuer gelöschten Daten, bei denen erst der IT-Spezialist anrücken musste. Die Angst, etwas falsch oder kaputt zumachen, saß tief, doch sobald klar war, dass das System jederzeit per Klick auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden kann, wandelte sich die Vorsicht schnell in pure Neugier.

Der Mehrwert digitaler Tools: Zeitersparnis und Flexibilität im Unterricht

Die Skepsis verfliegt meist in dem Moment, in dem der konkrete Mehrwert im Schulalltag spürbar wird. Das beginnt bei vermeintlichen Kleinigkeiten: Ein digitales Tafelbild muss nicht jeden Tag neu gezeichnet werden, sondern lässt sich dynamisch anpassen und abspeichern. Vorbereitete Unterlagen sind sofort griffbereit, wodurch Lehrkräfte viel individueller auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen können.

Technologie nimmt Lehrkräften nicht die pädagogische Arbeit ab, aber sie kann ihren Alltag spürbar erleichtern und den Vorbereitungsaufwand am Nachmittag spürbar verkürzen.

Wenn der föderale Tanker bremst

Auf die Frage, woran die Digitalisierung an Schulen derzeit noch scheitert, verweist Christine Bach auf starre strukturelle Vorgaben. Datenschutz sei zwar von zentraler Bedeutung, werde jedoch häufig als Begründung für eine stockende Digitalisierung herangezogen. Dabei gelten die Vorgaben der DSGVO auch in digitalen Vorreiterländern wie Estland und Dänemark. Entscheidend sei daher weniger das Regelwerk selbst als vielmehr die Frage, wie pragmatisch, flexibel und agil sich Prozesse gestalten lassen.

Besonders deutlich wird die Behäbigkeit des föderalen Systems aktuell beim Hype-Thema Künstliche Intelligenz (KI). KI verändert grundlegend, wie Schülerinnen und Schüler Aufgaben lösen. Wenn Denk- und Entscheidungsprozesse einfach an ein Tool ausgelagert werden, stoßen traditionelle Prüfungsformate schnell an ihre Grenzen.

Die Lösung liegt in flexibleren Prüfungsformaten, wie sie beispielsweise in Dänemark oder auch in Bayern erprobt werden:

  • Prozessbewertung: Wie wurde die Fragestellung erarbeitet?
  • Quellenkritik: Warum wurden spezifische Quellen gewählt?
  • Mündliche Anteile: Verständnis und Reflexion im direkten Austausch nachweisen.

Lehrkräfte möchten solche Future Skills vermitteln, doch die starren Vorgaben lassen ihnen oft noch zu wenig Handlungsspielraum.

Was Kollegien wirklich brauchen

Schule zu digitalisieren ist weit mehr als ein reines IT-Projekt. Um überlastete Kollegien mitzunehmen, braucht es an erster Stelle echte strukturelle Entlastung – etwa durch den Ausbau von Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Lehrkräfte leisten täglich intensive Beziehungs- und Elternarbeit und sind die wertvollste Ressource im Bildungssystem.

Darüber hinaus setzt Christine Bach auf den Austausch auf Augenhöhe. Wenn Kolleginnen und Kollegen im eigenen Team praxiserprobte Demos vorstellen und zeigen, wie ein Tool konkret Zeit spart, überzeugt das weitaus mehr als verordnete Fortbildungen.

Gleichzeitig steht die Politik in der Pflicht: Schulträger und Ministerien müssen geprüfte, zentral lizenzierte Software bereitstellen. Lehrkräfte dürfen nicht gezwungen sein, in ihrer Freizeit App-Stores nach brauchbaren Werkzeugen zu durchsuchen. 

„Pädagogik vor Technik hat in der Praxis oft nicht geklappt. Da wurden grüne Tafeln abmontiert und am nächsten Tag stand ein Whiteboard da. Ohne Schulung, ohne Konzept. Wir müssen Lehrkräften die Zeit und den Raum geben, Werkzeuge sinnvoll in ihren Unterricht zu integrieren.“

Blick auf die Rahmenbedingungen

Im Vergleich zu anderen Branchen ist der Unterschied in der Arbeitsplatzausstattung an Schulen eklatant. In der freien Wirtschaft oder an Universitäten ist ein eigener Laptop samt Bildschirmen und Zubehör Standard. An Schulen hingegen müssen Lehrkräfte oft Geräte teilen, auf Ausnahmegenehmigungen zurückgreifen oder Unterrichtsmaterialien privat finanzieren.

Dieser unsichtbare „Mental Load“ belastet Kollegien enorm. Damit digitale Werkzeuge flächendeckend Entlastung schaffen können, braucht es Arbeitsbedingungen, die dem Lehrberuf die nötige Wertschätzung entgegenbringen.

Ein Wunsch für die Zukunft der Bildung

Auf die Frage, was sie mit einem Zauberstab im Bildungssystem sofort verändern würde, antwortet Christine Bach ohne Zögern: Echte Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit für alle Kinder, unabhängig vom Einkommen der Eltern oder dem Wohnort. Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern eines der stärksten Werkzeuge, um genau diese Chancengleichheit in unseren Schulen zu realisieren.

Key Takeaways aus dem EduTalk mit Christine Bach:

  • Geschützte Erprobungsräume: Lehrkräfte brauchen fehlerfreundliche Räume, um Technologien ohne Bewertungsdruck kennenzulernen.
  • Neue Prüfungskultur: KI erfordert Formate, die Prozessverständnis, Quellenreflexion und mündliche Kompetenzen stärken.
  • Zentrale Bereitstellung: Ministerien und Schulträger müssen geprüfte Software bereitstellen, statt die Tool-Suche an Lehrkräfte auszulagern.
  • Wertschätzende Ausstattung: Eine verlässliche digitale Infrastruktur gehört zur Grundausstattung jedes modernen Lehrerarbeitsplatzes.

Das ist Skolon: Wir vereinen die besten digitalen Schulwerkzeuge und bringen sie in Ihr Klassenzimmer.

Skolon ist eine unabhängige Plattform für digitale Lernwerkzeuge und Unterrichtsressourcen, entwickelt für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler. Mit Skolon wird der Zugriff auf digitale Tools einfach, sicher und effizient: weniger Administration, mehr Zeit fürs Lernen. Die angebotenen Werkzeuge stammen von kleinen und großen Anbietern, die eines gemeinsam haben – sie entwickeln digitale Lösungen, die den Schulalltag wirklich besser machen.

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Die Digitalisierung an deutschen Schulen fühlt sich oft wie eine Reise im Schneckentempo an. Aber wo genau hakt es eigentlich? Liegt es an der Technik, der Bürokratie oder an Berührungsängsten? Wir haben uns für unsere Reihe Skolon EduTalks mit der Bildungsexpertin Christine Bach getroffen. Sie ist seit Jahren Teil des Bildungssektors. Von der Hochschuldidaktik über den Aufbau digitaler Innovationszentren in Mecklenburg-Vorpommern bis hin zur freien Wirtschaft bringt sie einen tiefen Einblick in die Praxis mit.

Im Interview sprachen wir mit ihr über Berührungsängste vor der digitalen Tafel, den Hype um Künstliche Intelligenz, ungleiche Arbeitsplatzbedingungen in Schulen und darüber, wie echte Entlastung für Lehrkräfte aussehen kann.

Vom Freiraum zur Innovation

Der Impuls für Christine Bachs Weg in die digitale Bildungslandschaft kam direkt aus der Landespolitik. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern wünschte sich digitale Innovationszentren, um Digitalisierung für Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen erlebbar zu machen. Als Projektverantwortliche erkannte Christine Bach schnell, dass es vor allem im Schulbereich enormen Bedarf gab.

Daraus entstand 2019 ihr Konzept für Erprobungsräume für Bildungstechnologien. Während der Pandemie warb sie Fördermittel ein und stattete, unterstützt von verschiedenen EdTech-Herstellern, Räumlichkeiten mit interaktiven Tafelsystemen, Robotern, 3D-Druckern, Lasercuttern und AR-Software aus. Das Ziel war ein geschützter Raum, in dem Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulträger neue Werkzeuge frei von Bewertung und Prüfungsdruck ausprobieren konnten.

Berührungsängste abbauen

Die Teilnahme an den Angeboten war absolut freiwillig. Dementsprechend begegneten einige Lehrkräfte, insbesondere der Generation 50+, den Geräten anfangs vorsichtig und zaghaft. Viele hatten aus früheren Zeiten negative Erfahrungen mit Systemabstürzen oder teuer gelöschten Daten, bei denen erst der IT-Spezialist anrücken musste. Die Angst, etwas falsch oder kaputt zumachen, saß tief, doch sobald klar war, dass das System jederzeit per Klick auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden kann, wandelte sich die Vorsicht schnell in pure Neugier.

Der Mehrwert digitaler Tools: Zeitersparnis und Flexibilität im Unterricht

Die Skepsis verfliegt meist in dem Moment, in dem der konkrete Mehrwert im Schulalltag spürbar wird. Das beginnt bei vermeintlichen Kleinigkeiten: Ein digitales Tafelbild muss nicht jeden Tag neu gezeichnet werden, sondern lässt sich dynamisch anpassen und abspeichern. Vorbereitete Unterlagen sind sofort griffbereit, wodurch Lehrkräfte viel individueller auf die Bedürfnisse ihrer Schülerinnen und Schüler eingehen können.

Technologie nimmt Lehrkräften nicht die pädagogische Arbeit ab, aber sie kann ihren Alltag spürbar erleichtern und den Vorbereitungsaufwand am Nachmittag spürbar verkürzen.

Wenn der föderale Tanker bremst

Auf die Frage, woran die Digitalisierung an Schulen derzeit noch scheitert, verweist Christine Bach auf starre strukturelle Vorgaben. Datenschutz sei zwar von zentraler Bedeutung, werde jedoch häufig als Begründung für eine stockende Digitalisierung herangezogen. Dabei gelten die Vorgaben der DSGVO auch in digitalen Vorreiterländern wie Estland und Dänemark. Entscheidend sei daher weniger das Regelwerk selbst als vielmehr die Frage, wie pragmatisch, flexibel und agil sich Prozesse gestalten lassen.

Besonders deutlich wird die Behäbigkeit des föderalen Systems aktuell beim Hype-Thema Künstliche Intelligenz (KI). KI verändert grundlegend, wie Schülerinnen und Schüler Aufgaben lösen. Wenn Denk- und Entscheidungsprozesse einfach an ein Tool ausgelagert werden, stoßen traditionelle Prüfungsformate schnell an ihre Grenzen.

Die Lösung liegt in flexibleren Prüfungsformaten, wie sie beispielsweise in Dänemark oder auch in Bayern erprobt werden:

  • Prozessbewertung: Wie wurde die Fragestellung erarbeitet?
  • Quellenkritik: Warum wurden spezifische Quellen gewählt?
  • Mündliche Anteile: Verständnis und Reflexion im direkten Austausch nachweisen.

Lehrkräfte möchten solche Future Skills vermitteln, doch die starren Vorgaben lassen ihnen oft noch zu wenig Handlungsspielraum.

Was Kollegien wirklich brauchen

Schule zu digitalisieren ist weit mehr als ein reines IT-Projekt. Um überlastete Kollegien mitzunehmen, braucht es an erster Stelle echte strukturelle Entlastung – etwa durch den Ausbau von Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Lehrkräfte leisten täglich intensive Beziehungs- und Elternarbeit und sind die wertvollste Ressource im Bildungssystem.

Darüber hinaus setzt Christine Bach auf den Austausch auf Augenhöhe. Wenn Kolleginnen und Kollegen im eigenen Team praxiserprobte Demos vorstellen und zeigen, wie ein Tool konkret Zeit spart, überzeugt das weitaus mehr als verordnete Fortbildungen.

Gleichzeitig steht die Politik in der Pflicht: Schulträger und Ministerien müssen geprüfte, zentral lizenzierte Software bereitstellen. Lehrkräfte dürfen nicht gezwungen sein, in ihrer Freizeit App-Stores nach brauchbaren Werkzeugen zu durchsuchen. 

„Pädagogik vor Technik hat in der Praxis oft nicht geklappt. Da wurden grüne Tafeln abmontiert und am nächsten Tag stand ein Whiteboard da. Ohne Schulung, ohne Konzept. Wir müssen Lehrkräften die Zeit und den Raum geben, Werkzeuge sinnvoll in ihren Unterricht zu integrieren.“

Blick auf die Rahmenbedingungen

Im Vergleich zu anderen Branchen ist der Unterschied in der Arbeitsplatzausstattung an Schulen eklatant. In der freien Wirtschaft oder an Universitäten ist ein eigener Laptop samt Bildschirmen und Zubehör Standard. An Schulen hingegen müssen Lehrkräfte oft Geräte teilen, auf Ausnahmegenehmigungen zurückgreifen oder Unterrichtsmaterialien privat finanzieren.

Dieser unsichtbare „Mental Load“ belastet Kollegien enorm. Damit digitale Werkzeuge flächendeckend Entlastung schaffen können, braucht es Arbeitsbedingungen, die dem Lehrberuf die nötige Wertschätzung entgegenbringen.

Ein Wunsch für die Zukunft der Bildung

Auf die Frage, was sie mit einem Zauberstab im Bildungssystem sofort verändern würde, antwortet Christine Bach ohne Zögern: Echte Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit für alle Kinder, unabhängig vom Einkommen der Eltern oder dem Wohnort. Digitalisierung ist dabei kein Selbstzweck, sondern eines der stärksten Werkzeuge, um genau diese Chancengleichheit in unseren Schulen zu realisieren.

Key Takeaways aus dem EduTalk mit Christine Bach:

  • Geschützte Erprobungsräume: Lehrkräfte brauchen fehlerfreundliche Räume, um Technologien ohne Bewertungsdruck kennenzulernen.
  • Neue Prüfungskultur: KI erfordert Formate, die Prozessverständnis, Quellenreflexion und mündliche Kompetenzen stärken.
  • Zentrale Bereitstellung: Ministerien und Schulträger müssen geprüfte Software bereitstellen, statt die Tool-Suche an Lehrkräfte auszulagern.
  • Wertschätzende Ausstattung: Eine verlässliche digitale Infrastruktur gehört zur Grundausstattung jedes modernen Lehrerarbeitsplatzes.

Das ist Skolon: Wir vereinen die besten digitalen Schulwerkzeuge und bringen sie in Ihr Klassenzimmer.

Skolon ist eine unabhängige Plattform für digitale Lernwerkzeuge und Unterrichtsressourcen, entwickelt für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler. Mit Skolon wird der Zugriff auf digitale Tools einfach, sicher und effizient: weniger Administration, mehr Zeit fürs Lernen. Die angebotenen Werkzeuge stammen von kleinen und großen Anbietern, die eines gemeinsam haben – sie entwickeln digitale Lösungen, die den Schulalltag wirklich besser machen.

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